1000 Sternis


Am Sonntag morgen war ich richtig fleißig. Zuerst habe ich zu Hause etwas aufgeräumt, dann bin ich in den Garten und habe Kürbisse geerntet. Danach habe ich es mir bei einem langen Spaziergang gut gehen lassen und dabei rumliegende Äste und ein paar Pilze gesammelt. Zur allgemeinen Freude habe ich unterwegs beim Graben zwei 1000-Sterni-Säcke gefunden - zusammen mit dem Verkauf der Äste, der Kürbisse und den noch gefundenen Fossilien hatte ich weit über 10.000 Sternis, die habe ich dann auf mein Konto eingezahlt - im Nook Portal auf Lil Can.

Ok, ok - ich geb’s ja zu. Ich war richtig faul am Sonntag vormittag, lag auf der Couch und habe Animal Crossing gespielt (meine Insel dort heißt Lil Can). Aber virtuell habe ich richtig viel erledigt - wie eben beschrieben. Ich liebe Computerspiele, bin ich doch damit groß geworden - jedenfalls so ab meinem 10. Lebensjahr. Davor wie danach standen aber auch Brettspiele hoch im Kurs. Eins der Spiele hieß damals


Spiel des Lebens


Ich kann mich noch grob daran erinnern - man ist mit einem kleinen Plastikauto über die Spielfeldstraßen gefahren, sammelte Geld, kaufte Sachen und ab und zu wurden Ereigniskarten vorgelesen, denen man Folge zu leisten hatte. Quasi “Animal Crossing Analog”. Ich kann mich herrlich in diesen Spielen verlieren - genau so wie im richtigen Leben. Wie oft habe ich mich in Musikproduktionen, im Geschichten und Tagebuch schreiben oder aktuell im Blog- und Podcasten verloren und die Zeit völlig vergessen. Je mehr ich darüber nachdenke fällt mir auf, dass mein ganzes Leben zu großen Teilen ein Spiel mit viel Spaß war. Ich habe mir nie wirklich Sorgen machen müssen oder in irgendwelchen Jobs gearbeitet, die mir keinen Spaß gemacht haben. Und Sternis hatte ich irgendwie auch immer genug….bis heute. Ganz schön schön, dass Leben.


Wie hab ich das hinbekommen? Glück?


Ja - sicherlich viel Glück, vor allem dass mir der “Ernst des Lebens” halbwegs erspart geblieben ist. Leitsätze wie “Jetzt ist Schluss mit lustig” oder “Jetzt beginnt der Ernst des Lebens” habe ich mir nicht nicht wirklich anhören müssen. Ich habe immer gemacht, was mich interessiert und was mir spaß gemacht hat. Irgendwie gab’s da auch immer genug Sternis, oder - nennen wir es jetzt mal beim Namen - Geld dafür.


Geld


Das Blut in den Adern der Wirtschaft, der Stoff aus dem die Träume sind. Wieviele Teile unseres Lebens bestimmt dieses “Geld” - teilweise scheint es nichts wichtigeres zu geben. Und ja - ich weiß, dass es verdammt hart ist, wenn man in unserer Gesellschaft nicht genug Zaster hat. Auch ich habe Zeiten erlebt, in denen so gut wie gar nichts da war - aber irgendwie ging es trotzdem immer weiter. Ich hab das alles einfach nie so ernst genommen, war das der Trick? Keine Ahnung - könnte sein.

Als ich mich vor mehreren Jahren einmal näher mit unserem Geldsystem und der Geldschöpfung befasst habe, ist mir klar geworden, das mein Gefühl schon lange richtig war. Geld ist nichts wertvolles, sondern eine Glaubensrichtung - eine Religion. Unsere ganzen Währungen sind absolut nichts wert, wenn keiner mehr dran glaubt. Nur wenn genug Menschen an den Wert des Euro, Dollar, Rubel, Yen etc. glauben, lässt sich damit etwas anfangen - ja sogar Menschen und ganze Länder beherrschen. Wirklich unfassbar, wie weit es deswegen in unserer Geschichte schon gekommen ist. Die schlimmsten Gräueltaten wurden begangen, nur um ein paar Moneten zu bekommen oder zu sichern und natürlich um den Glauben an das System aufrecht zu erhalten. Und das witzige ist: Sollten die Leute mal den Glauben daran verlieren, werden diejenigen, die ganz oben an der Spitze sitzen, plötzlich ganz unten sein. Sitzen sie doch alle nur dort, weil sie das Spiel am Besten beherrschen und somit das meiste Geld für sich gehortet haben. Nicht, dass ich falsch verstanden werde: Ich mache keinem einen Vorwurf - alle spielen das Spiel und wie bei den meisten Spielen, gibt es wenige Gewinner und viele Verlierer. Wer das nicht will, sollte nicht mitspielen - geht das überhaupt? Ist - wie ich finde - ein Gedanke wert.


Apropos “Wert”


In diesen Turbulenten Zeiten wird immer wieder davon gesprochen, dass unsere Währung kollabiert. Und dann? Dann wird es wahrscheinlich für ein paar Wochen ziemlich chaotisch und entweder stellen alle fest, dass es auch ohne weiter geht oder es kommt einfach wieder eine neue Glaubensrichtung und das Spiel beginnt von vorne. Natürlich würden sich einige Spieler im Vorfeld schon ein paar gute Startpositionen sichern. War schon immer von Vorteil, diejenigen zu kennen, die die Spielregeln aufstellen. Sollte das so kommen, dann wünsche ich mir als nächstes die “Sterni”-Währung und ich fände es super, wenn man einfach nur morgens durch den Wald spazieren muss um genug zum Leben dort zu finden.


Bleibt gesund und wach!


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