Und wo genau bleibt da der Spaß?


Nach meinen letzten Gedanken zum Thema “Und wo genau bleibt da der Spaß?” im Freisprech-Podcast (ohne Artikel) sind mir noch so einige Dinge durch den Kopf geschossen. Für alle, die den Podcast nicht gehört haben, hier nun doch ein paar Worte dazu:


Vor einigen Tagen hatten wir mal wieder - wie jeden Abend - unsere Familien-Bett-Gespräche. Wer mir schon länger folgt weiß, dass es damit nichts unanständiges auf sich hat. Bevor wir die Kinder ins Bett bringen, gibt es immer einen gemeinsamen Treffpunkt in unserem Schlafzimmer und wir reden über alles mögliche - von totalem Blödsinn bis zum todernsten Thema ist alles dabei. Letztens hat meine Frau dabei festgestellt, dass unser Sohn sich mal wieder die Fußnägel schneiden könnte und nach einigem Rumgealber kam von unserem Sohn die Frage: “Und wo bleibt da der Spaß?”. Daraufhin schwenkte das ganze Thema und wir kamen in tiefsinnigere Gespräche …


Wo bleibt da der Spaß?


Eine - wie ich finde - sehr wichtige Frage, die man sich viel zu selten stellt. Ist es doch einer der entscheidenden Punkte, die das Leben lebenswert machen - lachen und spaß haben. Diese Frage begleitete mich die letzten Tage und mir ist aufgefallen, dass ich auf der Spaß- also auf der Habenseite einiges verbuchen kann…allerdings auch auf der Sollseite. Im Gespräch mit einigen Bekannten und Freunden habe ich dann bemerkt, dass ganz schön viele Menschen sich eher auf der Sollseite bewegen - ganz nach dem Lebensmotto: “Macht keinen Spaß, muss aber sein.” Meine Gegenfrage an dieser Stelle war immer sofort: “Was genau muss den wirklich sein?” Um es mit Sheldon aus Big Bang Theory zu sagen: “Ich muss essen, trinken und atmen. Alles andere ist optional.” Da kommt einem natürlich schnell ein ganzer Schwall an Gegenargumenten und Sprichwörtern in den Sinn (z.B. “Das Leben ist kein Ponyhof”). Aber muss denn wirklich soviel anderes gemacht werden? Bin ich wirklich so unfrei, viele Dinge die ich machen muss, nicht ablegen zu können? Ok - ich muss zum Beispiel Geld verdienen, damit ich in unserer Gesellschaft gut leben kann. Das kann aber auch durchaus spaß machen - ich selbst kann nur sagen, dass ich die meiste Zeit meines Arbeitslebens wirklich genossen habe und genieße. Also Augen auf bei der Berufswahl - wenn man sich da nur fürs Geld verdienen entscheidet, geht dass meistens nach hinten los. Wenn man richtig viel verdient, hat man ja die Chance sich nochmal zu verändern, aber wenn man immer nur mit einem Überlebenslohn am Tropf hängt, wird es ganz schön düster. Meistens wird die Unzufriedenheit dann noch mit Konsum befriedigt und man kommt gar nicht mehr raus der Spirale. Nicht umsonst bekommen viele inzwischen eine Zwangsentschleunigung durch Burnout.


Kommen wir zum Nachwuchs


Da bürdet man sich eine große Verantwortung auf - das habe ich zumindest am Anfang nicht überblickt. Mein Schwager sagte schon öfter bei Problemen mit den Kindern: “Noch so’n Ding, was ich beim Poppen nicht auf dem Schirm hatte.” Das kann ich nur bestätigen - wobei mir die Kindererziehung wirklich spaß macht, auch wenn man öfter leicht in Sorge ist, wie der Nachwuchs wohl so in der Welt zurecht kommt. Ich bin mir aber sicher, dass sie ihren Weg gehen werden - wie auch immer der aussieht. Die größte Herausforderung besteht wahrscheinlich irgendwann darin, den Weg der Kinder zu akzeptieren - auch wenn es nicht der Weg ist, den man gerne gesehen hätte. Als drittes Beispiel nehme ich die Verantwortung der Familie gegenüber. Ich hatte lange nicht auf dem Schirm, dass meine Eltern auch älter werden und irgendwann Hilfe brauchen. Das ist für mich aktuell das schwierigste Thema - da finde ich nun wirklich keinen Spaß daran. Ich habe die letzten Tage viel darüber nachgedacht und bin zum Entschluss gekommen, dass man der ganzen Sache aber auch etwas positives abgewinnen kann:


Die eigene Entwicklung


Egal welche Baustellen man im Leben hat - wenn man sich der Verantwortung stellt, kommt man immer weiter. Weglaufen bringt da nichts - vielleicht kommt man vorerst schneller auf die Habenseite des Spaßkontos, aber die Sollbuchungen kommen meist später. Von daher war das für mich nie eine Option. Die letzten Tage wurde mir mehr und mehr klar, dass schwierige Situationen auch spaß machen können - und zwar wenn man mit deren Lösungen weiter kommt. Und man kommt immer weiter … auch wenn die Situation gerade nicht besser wird. Wie sagte schon Eckhart Tolle über schwierige Situationen: “Auch das geht vorbei.” Dieser Satz begleitet mich jetzt schon seit sieben Jahren und so einfach er ist - er ist mir immer wieder ein Fels in der Brandung. Danke dafür Eckhart!


Und so fällt einem dann bei genauerer Betrachtung auf, dass das Leben doch mehr spaß machen kann, als man auf den ersten Blick so denkt. Einer der wichtigsten Bausteine dafür sind übrigens die Mitmenschen - wie ich schon früher einmal schrieb, steckt da die Aussage “mit Menschen” drin. Wirklich lebenswert wird es nur, wenn man vertraute Menschen um sich hat - ob Familie oder Freunde ist egal. Aber man braucht sie - ganz dringend. Gestern schoss mir spontan eine Formel durch den Kopf:


Glück=L hoch 3 (Liebe, Lachen, Leben)


Und diese drei Dinge machen nur wirklich spaß, wenn man es gemeinsam macht. Also die Essenz des ganzen liegt in den Mitmenschen, die einen umgeben. Und wenn jetzt gleich wieder die Kritiker kommen: “Die kann man sich doch nicht aussuchen!” Doch - kann man. Mit wem ich meine Zeit verbringe und wie nahe ich Personen an mich heran lasse, habe ich definitiv selber in der Hand. Da lohnt es sich auch ab und zu einmal “Nein” zu sagen - auch dazu hatte ich ja schon was geschrieben. Dieses “Nein” kann man übrigens auch etwas netter umschreiben, in dem man einfach fragt: “Und wo genau bleibt da der Spaß”?

Bleibt gesund und wach!


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