Zurück in die Matrix


Diese Woche war ich seit Monaten mit einigen Freunden mal wieder essen und habe auch im Studio mit ein paar Musikern gearbeitet. Dabei ist mir erstmal wieder aufgefallen, wie sehr ich das alles vermisst habe. “In echt” ist eben doch etwas anderes, als virtuell.


Spannend war es auch, von all diesen Leuten - die ich schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten kenne - zu hören, wie es Ihnen so ergeht und wie ihre Einstellung zu dem aktuellen Geschehen ist. Da kam doch ein ganz schön buntes Potpourri zusammen und gleich um eines Vorweg zu nehmen: Cool war wirklich, dass ich mit allen sehr gute Gespräche hatte und ich bin froh, all diese Menschen in meinem Umfeld zu haben. Morgen bekommen wir auch noch Besuch von einem Ehepaar, dass wir das letzte mal vor 8 Jahren gesehen haben - bin gespannt, wie das alles so wird. Aber zurück zu den vergangenen Tagen:


Zunächst hatte am Montag unser Großer den Abschied von der Grundschule und es wurde eine Verabschiedung auf dem Hof gefeiert. Alles nur im kleinen Rahmen, aber einige wenige Eltern waren dann doch vor Ort, um der Klassenlehrerin Ihren Dank zu zollen und um das Abschiedsgeschenk zu überreichen. Außer, dass auf dem Abschlussfoto alle mit Abstand gestanden haben und es deshalb zwei Fotos gab, war aber alles halbwegs normal. Und dann lieber zwei Fotos, als eins auf dem alle mit Mundschutz stehen. Der Erinnerungsfaktor an diese besondere Zeit bleibt bei beiden Fotovarianten auf jedenfall erhalten. Ein Mädchen aus der Klasse musste weinen und die Klassenlehrerin hat sie in den Arm genommen - natürlich mussten beide vorher ihren Mundschutz aufsetzen und sie kam danach zur Mutter des Kindes und hat sich quasi entschuldigt und dass sie hoffe, es wäre in Ordnung für sie.

Da ist mir ja doch schon leicht wieder ein Grollen hochgekommen - wenn ein Kind weint, nehm ich dass in den Arm, fertig. Wo sind wir denn hier?! Die Mutter war aber total locker und ich glaube, den Mundschutz hätte sie sich bei ihr auch schenken können, aber man weiß ja nie.


Geht es euch eigentlich auch so? Ich ein recht guter Menschenkenner und habe meistens ein richtiges Bauchgefühl, aber in der aktuellen Situation fällt es mir unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wer aus meinem Bekannten- und Freundeskreis wie drauf ist?! Bei vielen liege ich zwar richtig, aber bei so manchen habe ich mich gründlich verschätzt. Finde ich wirklich spannend.


Am Nachmittag war es dann soweit und ich habe endlich mal wieder im Studio gearbeitet. Nach der langen Pause muss ich sagen, dass es mir wieder mehr spaß gemacht hat, als ich erwartete. Generell bin ich zwar weiterhin auf dem Standpunkt, dass ich das nicht mehr groß weiterverfolgen werde, aber ein Hobby könnte das glaube ich doch bleiben bzw. wieder werden. Da war ich vor ein paar Wochen noch ganz anderer Meinung. War ein toller Nachmittag und auch wieder mit einem sehr guten Gespräch, obwohl unsere Meinungen in diesem Falle sehr auseinander gingen - hier hatte ich übrigens eine richtige Einschätzung. Dieses Gespräch hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Es ging natürlich um das allgegenwärtige Thema:


Das Virus


Ich habe mich inzwischen ja an andere Standpunkte gewöhnt, aber es fällt mir teilweise immer noch schwer, manches zu akzeptieren, wenn es aus meiner Sicht nicht belegbar ist.

Ich vermute aber, es geht den anderen mit mir genau so. Ich versuche aber nach wie vor in alle Richtungen offen zu bleiben, allerdings ist Neutralität wirklich schwierig.

Dieser Musiker arbeitet als Lehrer und ist natürlich voll auf dem “Mainstream”, was ich übrigens nicht als negativ betrachte (weder “Mainstream” noch “Lehrer ;-)). Bei ihm ist mir schon früher aufgefallen, dass er sehr oft Meinungen hat, die schnell extrem werden, obwohl er genau das Gegenteil von Extrem sein möchte und auch glaubt, dass er das ist. Das ist für mich wirklich sehr spannend zu sehen, wie jemand so sehr gegen ein Extrem ist, dass er selbst zum Extrem wird - und das ganze in guter Absicht. Ist gerade in der jetzigen Zeit wieder schön zu sehen. Auf jedenfall hat er mich auch versucht zu überzeugen, dass das alles richtig ist, was unsere Regierung da macht und hat auch einige dezente Versuche meinerseits, vielleicht den ein oder anderen Zweifel anzubringen, einfach überhört. Nein, alles “Verschwörungstheoretiker, die einen scheiß erzählen”. Unfassbar, dass selbst sachliche Argumente damit einfach weggebügelt werden - vor allem für einen selbst. Man kann und will nicht in Erwägung ziehen, dass man sich vielleicht hinters Licht hat führen lassen und je offensichtlicher das für einen selbst wird, desto mehr fällt man in den Verteidigungsmodus. Nach meiner Erfahrung fällt das gerade gebildeten Leuten sehr, sehr schwer. Dabei ist irren menschlich.


Für mich schwer erträglich wurde es dann, als er mit erzählte, dass seine Eltern (die ich auch einmal kennengelernt habe - wirklich tolle Menschen) sehr traurig sind, dass sie ihren Enkel und Ihre Tochter (gehört leider aktuell zur Risikogruppe) so lange nicht in den Arm nehmen durften und seine Mutter deswegen oft weint. Beide wären so froh, wenn endlich der Impfstoff da wäre, damit wieder Normalität einkehrt. Ganz ehrlich - ich wusste nicht, was ich sagen und auch fühlen sollte. Das die Angstmaschine es schafft, auf eine Spritze zu warten, von der man nicht weiß ob und wie sie wirkt (und welche Nebenwirkungen sie hat), dass hat mir in der Seele weh getan. Und da wurde mir aber auch klar, warum dann an seiner Meinung so eisern festgehalten wird. Wenn man da anfangen würde zu zweifeln, könnte sich vielleicht herausstellen, dass der ganze Schmerz den man sich selbst auferlegt hat, vielleicht nicht nötig gewesen wäre. Und das schmerzt mindestens nochmal genau so stark. Auch über eventuelle Nebenwirkungen der Impfung kann man dann eigentlich nicht mehr nachdenken, da sie ja die einzige Rettung ist.


Mich überkommt bei solchen Sachen dann immer Mitleid, da ich die Problematik direkt sehe, aber nicht helfen kann. Da ich all diese Menschen aber sehr mag, möchte man ja nun helfen - kann es aber nicht. Damit meine ich nicht, dass ich Recht habe - sondern einfach mal nur einen anderen Blickwinkel einnehmen und überlegen, ob manche Sachverhalte vielleicht auch anders sein könnten. In diesem Zusammenhang kommt mir ein ganz beschissenes Wort in den Sinn: “Alternativlos”, wirklich der größte Käse überhaupt - es gibt immer eine Alternative.


Mitte der Woche war ich dann noch mit einem anderen Musiker und auch Freund von mir im Biergarten und wir hatten unter anderem natürlich auch dieses Thema. Ihm ging es ähnlich wie mir: Man weiß nicht, was man wirklich glauben soll. Da er als Livemusiker direkt von den aktuellen Maßnahmen betroffen ist, hat er wirklich ordentlich an der Situation zu knabbern. Er ist aber ein Tausendsassa, der irgendwie alles kann (auch wenn er das nicht so sieht) und er kommt bis jetzt gut über die Runden und ich bin mir sehr sicher, dass er das auch schaffen wird. Trotzdem ist es natürlich auch für ihn und seine Familie schwer - wie ich schon in meinem Podcast und Artikel “Keine Lobby, keine Kekse” gesagt habe, muss man als Künstler einfach selbst sehen wo man bleibt. Auf eine Hilfe von außen braucht man da nicht hoffen. Ein Freund und Kollege von ihm (und auch mir) hat inzwischen Harz 4 angemeldet und er hat mir erzählt, was dass für eine Schmach ist. Über 60 Seiten und dann schön alle Kontoauszüge gemeinsam mit dem Sachbearbeiter besprechen: “Ah - und hier haben Sie sich etwas zu essen geholt, dass geht aber so nicht…”. Das würde mir ja gerade noch fehlen - hoffentlich muss ich da nie hin.


Als ich ihm dass von den Eltern des Musikers und der Impfung erzählte, meinte er, dass er auch teilweise so gedacht hat. Ich bin auch nicht generell gegen das Impfen, aber jetzt auf die Schnelle mit einem Zeug, was noch nicht wirklich getestet wurde?! Die Vorstellung finde ich grauenhaft und ich kann nicht verstehen, dass viele Menschen sehnsüchtig darauf warten. Der Kollege meinte dann - und so kam ich zum Titel dieses Textes: “Die wollen zurück in die Matrix. Alles soll wieder so werden wie früher.” Das fand ich eine sehr gute Erklärung - zurück in die Matrix. Auch wenn ich weiß, dass es eine Illusion ist - ich will sie haben.

So funktioniert der Mensch - und wenn man fest genug daran glaubt, dann wird die Illusion für einen selbst zur Wahrheit und alle, die diese Wahrheit ins Wanken bringen könnten, sind gefährliche Verschwörungstheoretiker. Das war für mich die Erkenntnis der Woche:


Wir lieben unsere Illusionen!


Abschließend möchte ich mal wieder sagen, was ich schon mehrfach gesagt habe:

Lasst euch keine Angst machen, akzeptiert andere Meinungen - auch wenn sie für euch noch so unglaublich erscheinen - und lasst euch vor allem nicht spalten! Ich arbeite nach wie vor daran.


Bleibt gesund und wach!


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