Leer


Heute starte ich einmal einen Artikel, bei dem ich noch nicht weiß, worum es genau gehen soll. Das Thema entwickelt sich quasi beim Schreiben ... oder auch nicht, ich bin gespannt.

Durch die andauernde Plandemie sind die täglichen Eindrücke stark zurückgegangen und somit auch die tägliche Inspiration für „Schreibthemen“. Von daher passt der Titel „Leer“ ganz gut - doch erstaunlich, wie schnell sich etwas während dem Schreiben auf dem leeren Blatt entwickelt.


Jetzt gerade sitze ich am Esstisch, unser Sohn ist im virtuellen Schulunterricht, unsere Tochter bereitet sich auf ihre virtuelle Schulstunde vor und ich und die Katze meiner Mutter schauen in den Garten, der durch den grauen Himmel etwas blass wirkt. Die Kaffeetasse ist lauwarm und halbvoll, von daher steht dem Tagesbeginn nichts im Wege. Das Nichts steht im Wege ... da kommt mir direkt die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende ins Gedächtnis. Das Nichts, welches sich in Phantasien mehr und mehr ausbreitet, da immer weniger Geschichten erfunden und gelesen werden. Ein tolles Buch - war eins der ersten Bücher, die ich damals als Kind gelesen hatte. Es ist mir gut in Erinnerung geblieben - mit den schönen Anfangsbuchstaben und der Sprung zwischen den Welten, farblich in grün und rot geschrieben. Jetzt wo ich gerade darüber nachdenke finde ich, dass das auf die aktuelle Zeit sehr gut passt. Durch Homeoffice, Homeschooling und „Stay at Home“ breitet sich das Nichts immer weiter aus. Immer weniger Kontakte, weniger Austausch, welche die Kreativität beflügeln. Heute morgen habe ich gelesen, dass jetzt auch in den öffentlichen Verkehrsmitteln das Reden verboten werden soll um die Aerosole zu verringern. Wir leben gerade wirklich in der „unendlichen Geschichte“ - das Nichts breitet sich mehr und mehr aus - vor allem in den Köpfen unserer Führungselite. Wir brauchen ganz dringend einen neuen Namen für die kindliche Kaiserin - und kommt mir jetzt bitte nicht mit „Merkelkind“. Atreju muss umgehend wieder in ein Abenteuer ziehen, um neue Leser und Denker zu begeistern. Ab ins Abenteuer, sonst wird der Abend teuer - gelangweilt zugrunde gehen im Homeoffice vor Netflix und Amazon Prime. Auf meinen aktuellen Zustand passt diese Vorstellung auch ganz gut - keine wirklichen Ideen, wenig Kreativität ... eher Dienst nach Vorschrift. Dabei war ich meistens ein richtiger Spinner, Ideenentwickler, Kreativitätsjunkie. Doch diese Eigenschaft ist mir im Laufe des letzten Jahres abhanden gekommen. Ich vermute mal, es liegt tatsächlich an den fehlenden Eindrücken - man funktioniert halt im Automationsmodus. Und zur Kreativität zwingen kann man sich nicht wirklich - ok, man kann auf einem leeren Blatt einfach anfangen zu schreiben und wie man sieht, kommt sogar etwas dabei heraus. Ich korrigiere mich: man kann sich doch zur Kreativität ... sagen wir mal ... überlisten. Aber dieser „ich brenne dafür“ Faktor lässt sich nicht heraufbeschwören. Und so warte ich weiter ab und erledige das Tagesgeschäft. Wo bleibt bloß Atreju?


Vor einiger Zeit hatte ich noch Hoffnung, dass wenn ich alle noch ausstehenden Dinge erledigt habe, die Kreativität endlich wieder auflebt. Das Problem dabei ist, dass immer wieder neues aufploppt, was erledigt werden muss. Aktuell habe ich die düstere Vorstellung, dass das noch lange so bleiben wird: Die Kinder, die Eltern, die Immobilien, die Firmen - ich glaube, dass hört nicht auf. Früher war das irgendwie anders ... da gab es nur mich und die Firma, der Rest war nicht da, jedenfalls hatte ich keine Verantwortung dafür - das war schon eine unbeschwerte Zeit. Da hat man sich das alles gewünscht: gut laufende Firma, Familie, Haus usw. Ziemlich naiv - man konnte ja auch nicht ahnen, was das alles für Verpflichtungen mit sich bringt. Ich will mich nicht beschweren - immerhin geht es uns allen gut und gerade habe ich mal wieder einen Artikel geschrieben und darf das ganze nachher noch via Podcast in Worte fassen. Eine der wenigen Dinge, die mir aktuell Freude bereiten.


Also bleibe ich positiv gestimmt, erledige meine Aufgaben und nehme das ganze als „leerreiche“ Zeit. Nur aufpassen, dass das Nichts nicht die Überhand gewinnt.


Bleibt gesund und wach!


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