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Der moderne Nomade

  • Misar
  • 3. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit


Manche Menschen hält es nicht an einem Ort.

Nicht, weil sie auf der Flucht sind – sondern weil sie Bewegung brauchen, um sich lebendig zu fühlen.

Ich merke das immer deutlicher. Ich bin gern unterwegs. Nicht rastlos, nicht flüchtend, nicht andauernd. Sondern mit dem Wunsch, die Option zu behalten, weiterziehen zu können. Orte, Perspektiven und Räume wechseln zu dürfen.


Das bedeutet nicht, dass ich nirgends ankommen kann – ganz im Gegenteil.

Ich freue mich jedes Mal, in meine vertrauten Häfen zu kommen – Ankerplätze, die ich weniger an Orten als an besonderen Menschen festmachen würde. Dort liebe ich es, in guten Gesprächen zu versinken und Nähe zu spüren. Aber es bedeutet, dass ich nicht festgenagelt sein möchte.

Neulich habe ich dann eher zufällig den Begriff des Nomaden aufgeschnappt und die Definition nachgeschlagen:


No·ma·de

noˈmaːdə,Nomáde


Substantiv, maskulin [der]

Angehöriger, Angehörige eines Volkes [von Hirten], das innerhalb eines begrenzten Gebietes von Ort zu Ort zieht.


Als ich das las, dachte ich sofort: „In einem früheren Leben war ich bestimmt ein Nomade.“ Auch wenn ich mich heute nicht unbedingt als Hirte sehe – und mich die Begrenzung auf ein bestimmtes Gebiet eher stören würde – passt der Grundgedanke erstaunlich gut zu meinem Leben.


Der moderne Nomade


Der klassische Nomade hatte keinen festen Wohnsitz, aber einen klaren Rhythmus. Er zog nicht ziellos, sondern folgte den Bedingungen des Lebens: Jahreszeiten, Ressourcen, Notwendigkeiten.


Der moderne Nomade funktioniert anders. Er ist oft äußerlich sesshaft – und innerlich beweglich. Oder äußerlich beweglich – und innerlich auf der Suche nach Halt. Es ist weniger ein Lebensstil als ein inneres Bedürfnis:


Die Freiheit, sich nicht endgültig festzulegen.


Ich liebe meine sicheren Häfen und auch die Gewissheit, den Anker wieder lichten zu können. Das soll nicht heißen, dass ich keine Verantwortung übernehmen möchte oder bei Unannehmlichkeiten sofort die Segel hisse. Im Gegenteil: Wenn ich irgendwo helfen kann, setze ich direkt Kurs dorthin und bin da. Ich beschränke mich nur nicht auf einen einzigen Wirkungsort.


Die Vorteile der Bewegung


Beweglichkeit hält wach. Wer nicht an einem Ort klebt, bleibt im Dialog mit sich selbst. Dazu fällt mir ein schönes Zitat aus meinem Gedankentransport ein:


„Es gibt Menschen, die sind unbeweglich. Es gibt Menschen, die sind beweglich.

Und es gibt Menschen, die sich bewegen.“ (Franklin)


Ich gehöre eindeutig zur letzten Gruppe. In diesem Zusammenhang könnte Nomade fast auch als „not mad“ oder „not made“ gelesen werden – nicht verrückt, nicht vorgefertigt. Denn als Nomade lernt man:


  • sich schnell zu orientieren

  • Abschiede nicht als Scheitern zu sehen

  • Veränderung nicht sofort zu bewerten


Man sammelt Eindrücke statt Besitz, Erfahrungen statt Sicherheiten. Und man lernt, dass Identität nichts Starres ist, sondern etwas, das sich im Gehen formt.


Natürlich hat das auch einen Preis.


Wer beweglich lebt, wird manchmal missverstanden: als unverbindlich, als nicht entscheidungsfähig, als jemand, der sich nicht festlegen will. Und ja – da ist etwas dran.


Der Nomade zahlt auf einer anderen Ebene vielleicht mit Unsicherheit. Mit Momenten von Einsamkeit. Mit der gelegentlich aufkommenden Frage: „Wo gehöre ich eigentlich hin?“ Und trotzdem bleibt er in der Bewegung, auch wenn es wenige Orte gibt, an denen er das Schiff gegen ein Heim auf festem Land tauschen würde. Denn auf der Reise wird klar: Bewegung schützt nicht vor Tiefe. Manchmal schützt sie sogar vor Nähe – wenn man nicht aufpasst.


Beziehung = Hafen statt Anker


Interessant ist, dass dieses Bedürfnis nach Bewegung nicht im Widerspruch zu Beziehung stehen muss. Ich mag das Bild vom sicheren Hafen. Ein Ort, an den man zurückkehren kann. Nicht, um festgemacht zu werden – sondern um aufzutanken.


In einer guten Beziehung fährt jeder sein eigenes Schiff. Man teilt die Koordinaten, nicht den Kurs. Man weiß, wo der andere ist – ohne ihn festzuhalten. Bindung muss nicht Besitz sein, Nähe nicht Kontrolle.


Vielleicht ist das Nomadische kein Defizit.

Vielleicht ist es einfach eine andere Art, mit dem Leben in Beziehung zu sein.


Nicht alles muss stabil sein, um wertvoll zu sein.

Nicht alles, was sich bewegt, ist auf der Flucht.


Manche Menschen brauchen Wurzeln. Andere brauchen Wege. Und beides darf gleichzeitig wahr sein. Ich weiß nicht, ob ich irgendwo wirklich einmal „ankomme“. Aber ich weiß, dass ich unterwegs auf dem richtigen Weg bin – auf meinem Weg. Und mir reicht das…


…für jetzt. 😉


Bleibt gesund und wach!

 
 
 

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