Innenraumbeleuchtung


Wie ich ja schon öfter thematisiert habe, bringt die veränderte Zeit viel ungesehenes ans Tageslicht. In meinem gesamten Umfeld ist zu spüren, dass die Leute nicht in ihrer Mitte sind - ist bei mir ganz genau so. Zwar gibt es einige, die so tun, als würde ihnen die Sonne aus dem A…. äh Popo scheinen, aber auch da merkt man, dass lediglich die Fassade geputzt wird. Scheint ihnen doch aktuell die Sonne buchstäblich etwas zu sehr aus dem Allerwertesten.


Ich hatte mich ja schon einmal darüber ausgelassen, wie sehr wir alle Theater spielen und die “Große Schauspielkunst” beherrschen. Und da es immer anstrengender wird, den Film “Bei mir ist alles bestens” zu spielen, driften aktuell viele Menschen in Extreme ab. Das muss jetzt nicht heißen, dass alle völlig am Rad drehen, aber eine Veränderung kann ich aktuell bei vielen Leuten in meinem Umfeld beobachten - bei mir und meiner Familie natürlich auch.


Gestern Abend hatte ich mit meiner Frau wieder ein etwas längeres Gespräch und wir haben die aktuelle Zeit analysiert. Auch bei uns beiden ist der Energielevel deutlich gesunken, obwohl sich zum “normalen” Leben nicht soviel geändert hat. Hauptveränderung ist nach wie vor lediglich, dass die Kinder zu Hause beschult werden. Sonst hat die aktuelle Situation quasi keine Auswirkungen auf uns und trotzdem: Die Energie ist auf Reserve. Warum?


Im Gespräch ging es unter anderem auch wieder um die üblichen Themen: Du machst zu wenig im Haushalt, ich habe zu wenig Zeit zum Arbeiten, Du musst Dich mehr um die Kinder kümmern und so weiter….Welcher Vorwurf von wem kam, dürft ihr euch selber ausmalen - ist im Grunde auch egal. Es geht doch nur um eins:


Wertschätzung


“Siehst Du denn nicht, was ich bereits alles mache?!” könnten wir beide im Tenor sagen und es stimmt auf beiden Seiten. Das alles immer noch so gut funktioniert, liegt genau daran: Das unser Familien- und Freundeteam so gut funktioniert. Warum kann man das nicht sehen und einfach zufrieden sein?


Ich rede täglich mit einer mir sehr nahen, sehr guten Freundin und sie gab mir zum Abschluss unseres Gespräches folgenden Satz mit: “Ich schenke euch ein Licht für den Innenraum. Denn Probleme entstehen immer in Dir selbst und es lohnt sich der Blick nach innen”. Das fand ich eine sehr schöne Metapher: Mal die Innenraumbeleuchtung anschalten und sich in einem selbst umsehen. Natürlich habe ich mich gleich auf die Suche gemacht.


Meine inneren Vorgänge sind mir jetzt nicht grundsätzlich neu, da ich mich schon sehr viel damit beschäftigt habe, aber man vergisst vieles auch wieder. Mein Energiefresser ist auf jeden fall nicht das Schauspiel nach außen, davon habe ich mich zu großen Teilen schon vor langer Zeit verabschiedet. Wenn ich das jetzt auch noch machen müsste, wäre ich bestimmt schon lange am Ende. Bei mir ist es mehr und mehr das alleine stehen - der Fels in der Brandung für andere zu sein, ohne selbst noch Halt zu haben. Das macht für mich aktuell den großen Unterschied. Früher musste man sich nur um sich selbst kümmern und hatte immer noch zum Beispiel die Eltern, wenn doch mal alle Stricke reißen würden. War so ein schönes Sicherheitsgefühl - das ist jetzt weg. Dazu kommt dann noch die unterschwellige Sorge: “Wie wird wohl alles weiter gehen?” Ich weiß, ich weiß - ich höre euch schon sagen: “Wie war das mit dem Leben im Hier und Jetzt?”. Richtig, ich weiß das natürlich, aber die Sorge um die weitere Zukunft lässt sich bei mir noch nicht komplett abschalten. Da kann ich mir selbst soviel vormachen, wie ich will - unterschwellig ist sie immer noch ab und zu präsent. Soweit habe ich meinen Verstand dann doch noch nicht im Griff - er schreibt öfter als gewollt an dem Science-Fiction-Roman “Zukunft”. Also ignoriere ich ihn nicht und blicke tief rein in diese nie fertig werdende Geschichte. Je mehr ich mich darauf einlasse, desto mehr kann ich gestalterisch teilhaben und es wird immer besser. Wenn ich das dann eine Weile getan habe, kann ich das ganze als: “War schön, jetzt kümmern wir uns wieder um die Gegenwart” beenden.


Nach dieser Erdung fällt mir dann auch wieder auf, dass die fehlende Wertschätzung nicht von anderen kommen kann - ich muss mich selber wertschätzen. Wenn ich das nicht tue, werde ich immer versuchen meine Wertschätzung durch andere zu erfahren, was nie zur vollsten Zufriedenheit funktionieren wird. Es ist wie das Schauspiel nach außen: Egal ob ich den tollen Hecht spiele oder versuche, meine Leistungen dauerhaft zu präsentieren. Es wird nicht funktionieren, da ich mir selbst nichts vormachen kann. Also ab und zu eine kurze Auszeit nehmen, über sich selbst nachdenken und meditieren - anders gesagt: Die Innenraumbeleuchtung anschalten und sich etwas genauer umsehen.


Bleibt gesund und wach!


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