Kinderfrei


Letzte Woche Freitag war es das erste mal soweit: Beide Kinder waren Übernacht bei Freunden. Unsere Tochter war auf einer Geburtstagsübernachtungsparty und unser Sohn bei einem Freund. Tja - und wir waren seit 11 Jahren das erste mal zu zweit und ohne Kinder zu Hause, unglaublich.


Nach so vielen Jahren sind die Erinnerungen an die kinderlose Zeit stark verblasst und die ganzen Jahre habe ich mir ausgemalt, wie schön es doch sein müsste, mal wieder Zeit zu zweit zu haben. Natürlich liebe ich die Beiden über alles, aber vorher war es ja auch schön. Also für beide Kinder die Taschen gepackt und dann die Kids zu ihren jeweiligen Freunden gebracht. Auf dem Heimweg stellte sich sofort ein seltsames Gefühl ein - war das jetzt gut oder schlecht?!


Zu Hause angekommen, habe ich mich erstmal mit einem Buch in Ruhe auf die Couch gesetzt und meine Frau lag in der Badewanne. Das war schonmal ein Gewinn - dass gab es in dieser Kombination tatsächlich seit 11 Jahren nicht mehr. Natürlich lesen wir beide regelmäßig Bücher und auch die Körperpflege findet regelmäßig statt, aber für uns beide simultan … das war neu. Als es dann Abend wurde, haben wir zusammen gegessen und es verschlug uns beide gemeinsam auf die Couch. Doch anstatt eines Hochgefühls, setzte Ernüchterung ein:


Was machen wir denn jetzt?


Zunächst haben wir uns länger unterhalten, was bei uns allerdings auch mit Anwesenheit der Kinder täglich passiert. Wie ich finde, einer der ganz großen Pluspunkte in unserer Beziehung. Nach dem allabendlichen Gespräch kam dann aber schnell die Stille, begleitet mit der bereits oben genannten Frage: „Was machen wir denn jetzt gemeinsam? Irgendwas besonderes?"

Da wir immer viel im Gespräch sind, gab es nichts besonderes zu klären und auch das Bedürfnis nach körperlichem ist nach 15 Jahren Partnerschaft mehr oder weniger vollständig befriedigt. Also blieb dann nur die Flucht auf die Mattscheibe - der Film „Shoppen“ sollte es sein. Den hatten wir vor Jahren einmal gesehen und fanden ihn wirklich nett - so auch an diesem Abend.

Ab und zu habe ich auf mein Handy geschaut, ob nicht doch vielleicht eines der Kinder lieber abgeholt werden und zu Hause schlafen möchte. Leider vergeblich. Also sind wir dann nach unserem gemeinsamen Abend ins Bett gegangen und was soll ich sagen: Unser abendliches Ritual mit den Kindern hat mir echt gefehlt….soll ich vielleicht anrufen und wenigstens eines der Kinder wieder abholen? Ich hatte mir schon die Reaktion der anderen Eltern ausgemalt, wenn ich kläglich am Telefon sage „Ich kann ohne meine Kinder nicht einschlafen“. Nein, habe ich natürlich nicht gemacht. Also habe ich versucht, schnell ins Land der Träume zu kommen - ganz nach Eckhardt Tolle: „Auch das geht vorbei“. Die Nacht war sehr gut und nach einem gemeinsamen Frühstück wurde es dann Zeit, die Kinder wieder abzuholen - Gott sei Dank ;-).


Fazit


Dieser erste Abend ohne Kinder hat mir gezeigt, dass dieser Wunschgedanke „endlich mal wieder ohne Kinder zu sein“, eine Fata Morgana ist. Als man früher zu zweit war, war das schön, aber so wird es eben nicht mehr. Wenn die nächsten 11 Jahre genau so schnell vergehen, wie die letzten 11 (und ich bin mir ziemlich sicher, dass das so sein wird), dann wird ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen und nicht zwei Kapitel zurückgesprungen. Unsere Beziehung hat der familiäre Zuwachs jedenfalls auf einen anderen Level gehoben. Für einige in unserem Bekanntenkreis klingt das sicherlich befremdlich, wir allerdings finden das sehr gut. Auch wenn ich aus spaß oft sage: „Ich bin froh, wenn die Kinder aus dem Haus sind“ -bin ich jetzt erstmal froh, wenn sie uns noch ein paar Jahre begleiten.


Bleibt gesund und wach!


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