Lemmingmodus



Nach einigen Gesprächen in den letzten Wochen ist es mir mal wieder ein Bedürfnis, über unsere Steuerzentrale zu sprechen: das Gehirn. Theoretisch hat jeder von uns ein mehr oder weniger gleich großes Organ dieser Marke zur Verfügung, das Nutzerverhalten ist allerdings höchst unterschiedlich. Klingt provokativ - meine ich auch so.


Ich kann immer weniger begreifen, wieviele Leute ferngesteuert durch die Gegend laufen - sich die Welt von wenigen Menschen erklären lassen und dann lediglich das nachplappern, was ihnen eingebläut wurde. Die eigene Erfahrung wird erfolgreich ignoriert - man weiß ja, dass das nicht sein kann. Und gerade die sogenannte “gebildete Schicht” befindet sich zum großen Teil leider im “Lemming-Modus”.


Ich würde niemals von mir behaupten, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen habe und mich eher im unteren Drittel der Bildungsschicht ansiedeln. So langsam bekomme ich allerdings das Gefühl, das aus dem selbst ernannten oberen Drittel immer mehr ins untere Viertel abrutschen … gehöre ich dann jetzt schon ins mittlere Drittel? Muss ich mal ausrechnen - lässt sich bestimmt statistisch belegen.


Wer mich kennt weiß, dass ich niemanden provozieren oder beleidigen will - das liegt mir wirklich fern…aufwecken finde ich viel spannender. Ich finde es einfach beängstigend, was für einen großen Einfluss fremde Meinungsmache auf die meisten Menschen hat. Viele stellen das Gesagte von anderen über ihre eigenen Erfahrungen und Gedankengänge. Klar - so wird man natürlich auch erzogen und ausgebildet (sagt ja schon das Wort: Ausbildung - da ist es “aus mit der Bildung”). Bestimmt ist es gut, sich Erfahrungen anderer anzuhören und auch anzueignen, aber doch bitte nicht bedingungslos und ohne selber einmal darüber nachzudenken. Unsere sogenannte “Wissenschaft” hat sich für mich schon lange ad absurdum geführt - und nein, ich rede nicht von der aktuellen Krise. Das war für mich schon viele Jahre zuvor sichtbar. Können wir doch letztendlich alles belegen: Raucher leben länger, Dicke sind gesünder als Dünne, Langzeitnebenwirkungen sind nach einem Jahr ausreichend erforscht, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Je nachdem wie ich die Daten selektiere, ist alles darstellbar. Und in der Wissenschaft dann natürlich meist zu Gunsten der Auftraggeber - wer das Geld gibt, bekommt was er möchte. Jedenfalls ab einer gewissen Summe. Natürlich nicht der kleine Mann, der brav sein Geld zur Bank bringt und sich vom Anlageberater des Vertrauens ein Produkt empfehlen lässt. Der kann Glück haben, ist aber eher selten. Und genau diese Leute meine ich: Jahrzehnte lang immer nur auf das gehört, was die sogenannten Experten einem sagen und dabei nur ganz selten gut gefahren. Im Nachhinein werden die Skandale natürlich immer aufgedeckt und man regt sich dann als gebildeter ordnungsgemäß darüber auf: “Das ist doch unglaublich, was die sich erlaubt haben … Die haben ganz andere Versprechen gemacht und nichts davon gehalten” … und so weiter. Da fühlt man sich dann natürlich wieder gut informiert, denn schließlich wurde das ganze ja aufgedeckt - nur zu spät. Deswegen kann ich jetzt aber mit ruhigem Gewissen wieder auf die aktuellen Aussagen vertrauen - in ein paar Jahren rege ich mich dann wieder auf. Ein super System!


Das solche Leute nicht irgendwann einmal das Muster verstehen und immer wieder darauf hereinfallen, finde ich wirklich spannend. Vielleicht gibt es da eine psychologische Erklärung? Wahrscheinlich ahnt der ein oder andere doch nach jahrzehntelangem “betreuten Denken”, was da passiert, kann es sich selbst aber nicht mehr eingestehen. Das würde ja bedeuten, dass man jahrelang für dumm verkauft worden ist….”Ich doch nicht - ich informiere mich doch immer regelmäßig bei seriösen Quellen. Und wenn einer mit einer anderen Meinung kommt, dann ist der doch Dumm - das weiß man doch!”. Und so setzt sich das absurde Spiel fort.


Ein sehr erfolgreicher Freund von mir, hat mir vor Jahren mal drei entscheidende Tipps in Bezug aufs Geld gegeben:


  1. Gib nie mehr aus, als Du hast.

  2. Kümmere Dich selbst um Dein Geld. Sobald eine Bank oder ein Berater dabei ist, ist es vorbei.

  3. Denke selbst und stelle ganz einfache Fragen.


Klingt banal, funktioniert aber - nicht nur in Bezug aufs Geld. Oft sind es gerade die einfachen Fragen , auf die keiner der Gelehrten eine Antwort hat. Da fiel mir schon vor langer Zeit mal die Steigerung von “leer” ein: Leer, Lehrer, Gelehrter. Etwas zynisch - ich weis, aber trifft leider sehr oft genau auf den Punkt. Lassen sich die meisten doch komplett in der Denke abrichten und leben gedanklich nur noch aus der Schublade. Wirklich schade - so eine Verschwendung eines großartigen Organes.


Bleibt gesund und wach!


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Photo: Screenshot of the Amiga version of Lemmings, made by Wikipedia-User: Tyan23

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