Lovestorm
- vor 1 Tag
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In Zeiten des Internets kennt jeder den Begriff Shitstorm. Eine Welle der Empörung. Viele Menschen, viele Kommentare – und meistens viel negative Energie.
Interessant ist: Es scheint dafür ein riesiges Bedürfnis zu geben.
Kaum passiert irgendwo etwas, dauert es nicht lange, bis sich im Netz ganze Kommentarspalten mit Kritik, Spott oder Wut füllen. Aber nicht nur im Netz - auch im wirklichen Leben.
Mir ist dabei irgendwann ein Gedanke gekommen: Warum eigentlich immer Shitstorm?
Warum nicht Lovestorm?
Ich versuche das inzwischen bewusst zu machen. Wenn ich irgendwo kommentiere – bei mir wenig digital, sondern eher real – dann sage ich meistens nur dann etwas, wenn ich etwas Positives zu sagen habe. Wenn mir etwas gefällt. Natürlich werde ich auch Kritik los, aber immer konstruktiv und im Kontext der Wertschätzung.
Ein kleiner Love Storm sozusagen.
Und ich merke: Das fühlt sich deutlich besser an - vor allem für mich, als den Kommentator. Ich kann förmlich spüren, wie es sich anfühlen muss, wenn man nur negative Kritik raushaut und andere Menschen runterputzt oder gar mobbt.
Alles nur ein Spiegel des eigenen Selbst.
Worauf richten wir unseren Blick?
Eigentlich ist das keine Internetfrage. Es ist eine Lebensfrage. Denn letztlich läuft vieles im Leben darauf hinaus, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Konzentriere ich mich auf all die Dinge, die schiefgelaufen sind? Oder auf die Dinge, die gut waren?
Wenn man ehrlich ist, gibt es in fast jedem Leben beides: gute Erfahrungen und schmerzhafte. Glück und Enttäuschung.
Die entscheidende Frage ist nur: Welche Geschichte erzähle ich mir darüber? Erzähle ich mir ständig die Geschichte von dem, was nicht funktioniert hat?
Oder baue ich mir innerlich so etwas wie einen Lovestorm meiner eigenen Biografie – indem ich mich bewusst an die schönen Dinge erinnere, die mir passiert sind?
Ich glaube, das verändert mehr, als man denkt. Viel mehr.
Der Blick auf Vergangenheit und Zukunft
Unsere Erinnerung ist nämlich kein neutrales Archiv. Sie funktioniert eher wie ein Filter.
Wenn ich mich ständig auf negative Erfahrungen konzentriere, entsteht irgendwann das Gefühl: Mein Leben war schwierig.
Wenn ich mich dagegen bewusst an die positiven Dinge erinnere, entsteht eher der Eindruck: Eigentlich hatte ich viel Glück.
Beides kann gleichzeitig wahr sein. Aber worauf ich meinen Fokus lege, prägt meine Stimmung – und damit auch meine Erwartungen an die Zukunft.
Wer seine Vergangenheit als eine Abfolge von Katastrophen sieht, erwartet meistens auch keine besonders rosige Zukunft. Wer dagegen viele schöne Momente erinnert, schaut oft automatisch optimistischer nach vorne.
Kommentare als Stimmungsmacher
Ein anderes Phänomen ist mir in diesem Zusammenhang aufgefallen.
Wenn ich mir ein Video anschaue – zum Beispiel ein Interview auf YouTube – und vorher die Kommentare lese, passiert etwas Merkwürdiges. Sind dort viele negative Kommentare, gehe ich automatisch kritischer an das Video heran. Sind die Kommentare dagegen positiv, sehe ich den Inhalt meist auch mit wohlwollenderen Augen. Die Kommentare beeinflussen also meine Wahrnehmung, noch bevor ich mir überhaupt eine eigene Meinung gebildet habe. Deshalb habe ich irgendwann aufgehört, Kommentare zu lesen, bevor ich mir etwas anschaue. Ich will mir erst selbst ein Bild machen.
Nachrichten und negative Aufmerksamkeit
Ein ähnliches Prinzip sieht man übrigens auch bei Nachrichten.
Die meisten Meldungen, die uns täglich erreichen, sind negativ: Krisen, Konflikte, Katastrophen. Nicht unbedingt, weil die Welt nur aus schlechten Ereignissen besteht – sondern weil negative Nachrichten einfach mehr Aufmerksamkeit erzeugen.
Unser Gehirn reagiert stärker auf Gefahr als auf Harmonie. Das ist ein alter Überlebensmechanismus. Aber wenn man nicht aufpasst, entsteht dadurch leicht ein verzerrtes Bild der Welt.
Wir brauchen mehr Lovestorms
Vielleicht wäre es gar keine schlechte Idee, das Prinzip des Lovestorms etwas ernster zu nehmen. Nicht als naives Schönreden, sondern als bewusste Entscheidung.
Eine Entscheidung, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten. Worüber wir sprechen und welche Energie wir weitergeben. Vor allem in unserem eigenen Kopf. Denn letztlich entsteht auch dort jeden Tag eine Art Kommentarspalte.
Die Frage ist nur:
Schreibe ich dort einen Shitstorm über mein eigenes Leben?
Oder einen Love Storm?
Denn das, was in unserer persönlichen Kommentarspalte steht, gestaltet unser Denken. Und unser Denken formt Gegenwart und Zukunft.
Letztlich ist die Zukunft nur eine Projektion der eigenen Geschichte.
Also bau dir eine gute.
Bleibt gesund und wach!
