MitMenschen


Letzten Sonntag haben wir einen Familienausflug ins Sauerland gemacht. Nach dem Frühstück sind wir gegen 9 Uhr in den Freizeitpark Fort Fun gefahren. Nach einer angenehmen Fahrt am Morgen, waren wir so gegen 11 Uhr dort und haben uns bei strahlendem Sonnenschein durch den Park gearbeitet. Ein wirklich sehr schöner Freizeitpark - gerade mit kleinen Kindern. Ich finde er hat eine gute Mischung aus Natur und technischen Angeboten. Neben der Entdeckungstour durch den Park, ging mein Verstand auf Entdeckungstour der menschlichen Spezies. Spannend fand ich, dass ich unter fremden Menschen in erhöhter Alarmbereitschaft bin: ein lautes Lachen hier, ein zorniges Kind dort, wütende Eltern in der Ferne, Unterhaltung ganz in der Nähe usw. Ich weiß nicht, ob es normal ist, aber ich bin unter fremden Menschen immer in “hab Acht Stellung”. Ist für mich allerdings normal und so konnte ich den Tag trotzdem genießen und nebenher menschliches Verhalten analysieren.


So ein Freizeitpark lockt in der Regel natürlich Kinder an und dementsprechend sieht man viele verschiedene Familienkonstrukte. Da waren zum Beispiel zwei Mütter mit ihren kleinen Kindern in der Warteschlange an der Wildwasserbahn vor uns. Zwei Frauen mittlerer Größe, mit deutlich zu vielen Kilos auf den Rippen, die aber völlig ungeniert zur Schau gestellt wurden. Hautenge Leggins, bauchfreies Top ohne Ärmel, überall quollen die überdrüssigen Pfunde raus und bunte Tattos pflasterten die weiße Orangenhaut … auf jedenfall ein Hingucker. Ich will hier nicht falsch verstanden werden - ich wiege auch deutlich zu viel und das finden mit Sicherheit andere Leute auch nicht schön (ich selbst übrigens auch nicht), aber ich käme niemals auf die Idee, bauchfrei im Muskelshirt durch die Gegend zu rennen. Zu Hause vielleicht, aber da sehen es ja auch nur die Leute, die mich eh so kennen. Zusätzlich zum Aussehen kamen dann auch noch die Gesprächsthemen, die recht lautstark kommuniziert wurden … ich will nicht näher auf die Themen eingehen, aber ich würde sowas nicht in der Warteschlange zur Wildwasserbahn besprechen. Ab und zu bekam ich auffordernde Blicke zugeworfen so nach dem Motto: “Ist doch richtig, oder? Jetzt sag doch auch mal was”. Ich habe mich natürlich dezent zurückgehalten. Die Kinder der beiden wurden quasi nicht beachtet, sondern in regelmäßigen Abständen mit lautstarken Worten wie “NEIN” oder “KOMM SOFORT WIEDER HIER HER” bedacht, nachdem sich sofort wieder der Gesprächsthematik zugewandt wurde. Ich fand das wirklich schräg. Auch aufgefallen sind mir mehrere Familien, die mit mehreren Kindern unterwegs waren und man die entspannte Freude in den Gesichtern der Eltern buchstäblich sehen konnte - oder sagen wir, man sah die Nähe des Nervenzusammenbruchs. Genervte Väter und Mütter maßregelten ihre Kinder - einige sicherlich zurecht, aber bei vielen meiner Meinung nach auch nicht. Dabei dann oft befreundete Paare ohne Kinder, die sich den ganzen Zenober verständnislos anschauten.


Die nächste Gruppe waren die Jugendlichen, die sich in kleinen Gruppen durch den Park tummelten. Zugegeben waren es nicht allzuviele, aber aufgefallen sind sie mir trotzdem - vor allem meine Reaktion darauf. Wir standen gerade am Riesenrad an und direkt hinter uns war eine Gruppe von vier männlichen Jugendlichen, mit Sporthosen, T-Shirts, Kettchen und allem, was sonst noch zu einem “es triggert mich an Outfit” gehört. Dann stiegen die vier auch noch in die Gondel neben uns und mein “Hab Acht Pegel” stieg erheblich an - warum? Ich ignorierte meine inneren Vorurteile, nahm die Situation einfach hin und was soll ich sagen - es gab überhaupt keinen Grund sich über irgend etwas aufzuregen. Die vier haben sich normal unterhalten, gelacht und - genau wie wir - festgestellt, wie schön das Sauerland von oben aussieht. Vorurteile können einen echt auf eine ganz falsche Fährte locken.


Als es dem Spätnachmittag entgegen ging, habe ich uns mal ein bisschen beobachtet und war sehr froh über das Ergebnis. Wir mussten die Kinder nicht einmal Maßregeln - alles funktionierte wie am Schnürchen. Wir sind viel spazieren gegangen, jeder durfte die Fahrgeschäfte seiner Wahl besuchen und wir hatten einen wunderschönen Tag - gekrönt mit einem Currywurst/Pommes Festmahl. Da kam in mir die Frage auf, wie andere uns wohl sehen würden? Vielleicht ist unser Leben ja so völlig gegen deren Vorstellung, dass die sich denken: “Oh man, was haben die denn für Klamotten an?” oder “Die schreien Ihre Kinder gar nicht an - was für Luschen!” Eine wirklich befriedigende Antwort auf diese Frage ist mir nicht eingefallen - sieht doch jeder das, was er sehen will. Im Grunde ist es ja auch egal, was andere Menschen denken. Im Nachhinein hätte ich einige Familien gerne mal für ein paar Tage beobachtet - wäre bestimmt spannend gewesen.


Wir waren am Ende des Tages alle ziemlich platt aber sehr glücklich und zufrieden. Was für ein schöner Familienausflug. Ich bin wirklich froh, dass wir so ein gutes Verhältnis zueinander haben. Ich habe mir fest vorgenommen, dass ganze öfter zu genießen.


Bleibt gesund und wach!


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