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Objects in the mirror are closer than they appear




Nach der Trennung meiner Eltern im Jahr 1980, holte mein Vater mich anfangs immer noch einmal in der Woche von der Schule ab und wir fuhren nach Mainz in sein neues Apartment.

Er war ein Autofreak und hatte sich damals für seine neue Freiheit ohne Familie einen Chevrolet Camaro in weiß, mit roten Sitzen gekauft. Im Nachhinein betrachtet ein doch eher fragwürdiges Automobil - allerdings damals für einen Anfang 30-jährigen Single Mann sicherlich ein adäquates Fahrzeug. Für mich als 9-jährigen Jungen war das natürlich MEGA. Und so nahm ich mir immer Kassetten mit meinen Lieblingsliedern auf, um diese dann während der Fahrt nach Mainz über die phänomenale Soundanlage in diesem Fahrzeug zu hören. Während der Fahrt schaute ich oft im Gedanken in den Rückspiegel und laß dort immer den Satz “Objects in the mirror are closer than they appear” und ich reimte mir die Bedeutung dieses Satzes erfolgreich zusammen (damals gab es erst Englisch ab der fünften Klasse). Ich weiß nicht, wann ich diesen Satz zuletzt auf einem Rückspiegel gesehen habe - wahrscheinlich wird das heute auch gar nicht mehr drauf geschrieben und wurde durch die Warnleuchte, die einem Anzeigt wenn ein Fahrzeug in der Nähe ist, ersetzt.


Die letzten Tage hatte ich wieder viele spannende Gelegenheiten, mit Menschen im Gespräch zu sein und Reaktionen beobachten zu können. Kleine Veränderungen der Mimik, ein plötzliches beschlagen der Stimme oder Räuspern würde ich heute nicht mehr unbedingt dem Zufall zuordnen. Äußert sich darüber doch oft die innere Wahrheit über das ein oder andere Thema - unabhängig vom Gesagten. Natürlich gilt das nicht immer, aber wenn man emphatisch ist, merkt man recht schnell den Unterschied.

Ich selbst kann das auch bei mir beobachten und stelle inzwischen schnell fest, wenn ich mir mal wieder selber etwas vormachen möchte. Ein Thema was bei mir immer wieder auftaucht, ist das


Loslassen


Wie ich eingangs die ersten Treffen mit meinen Vater erwähnte, sind mir diese Begegnungen gut in Erinnerungen geblieben, auch wenn viel Schmerz dabei war und er mich nach einiger Zeit der regelmäßigen Treffen zurückgelassen hat. Auch wenn ich an einige meiner vergangenen Beziehungen zurück denke, kommen viele schöne Erinnerungen, auch wenn das Negative teilweise überwog. Mir fällt immer wieder auf, wie sehr der Rückspiegel in die Vergangenheit doch eher ein Zerrspiegel ist und das gezeigte Bild nicht mehr oder nur teilweise der Realität entspricht. Dementsprechend fiel mir (und fällt mir teilweise immer noch) das Loslassen schwer. Der Zerrspiegel produziert oft positive Emotionen, die aber in der Summe eindeutig nicht überwogen haben. Um aber weiter auf seinem Lebensweg voran zu kommen und offen für Neues zu sein, muss man Vergangenes loslassen können. Da mir das mit einigen Dingen aufgrund der stark positiv gespeicherten Emotionen schwer gelingt, versuche ich es mit Sachlichkeit: Ich nehme mir ein Blatt Papier zur Hand und schreibe mir zu der entsprechenden Person (oder Situation) zunächst alles negative und dann alles positive auf. Dafür nehme ich mir gerne ein bisschen Zeit und oft wird die Liste immer detailreicher. Dann lege ich diese zur Seite und lese sie mir zu einem späteren Zeitpunkt wieder durch. Bringt mich meistens in eine total andere (aus meiner Sicht realistischere) Position und lässt den Zerrspiegel wieder zu einem realistischen Rückspiegel werden. In diesen Momenten der Klarheit, konnte ich mich schon öfter von altem Gefühlsballast entledigen. Damit geht meist auch eine Veränderung der eigenen, negativen Verhaltensweisen einher, was in der Interaktion auch andere Menschen auf einmal anders erscheinen lässt. Aus meiner Erfahrung kann ich bestätigen, dass alles harmonischer und ruhiger wird - selbst der unzufriedene Freund oder Freundin, scheinen sich plötzlich anders zu verhalten. Ist für mich auch völlig logisch, da jede Kommunikation auf Aktion und Reaktion beruht und diese aus meiner Sicht immer aus alten Erfahrungen und Emotionen hervorgeht. Auch wenn viele prägende Erfahrungen schon weit in der Vergangenheit liegen und wir denken, diese längst hinter uns gelassen zu haben - sie beeinflussen uns oft viel stärker, als wir glauben….”Objects in the mirror are closer than they appear”.


Bleibt gesund und wach!



Wie im Podcast besprochen, hier noch der Link zum Video:



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