Systemrelevanz (Ein Nachtrag zur Innenraumbeleuchtung)


Nach meinem gestrigen Artikel zur Innenraumbeleuchtung bin ich noch ein bisschen ins Grübeln gekommen und es ploppte ein Gedanke auf, den ich gerne noch nachlegen möchte. Ein ganz entscheidender Grund, warum wir alle vielleicht gerade so sehr nach Wertschätzung suchen, ist die Aufteilung der Gesellschaft nach Systemrelevanz. Wenn ich mich da in meinem gesamten Umfeld umschaue, ist da so gut wie niemand dabei, der eine systemrelevante Tätigkeit ausübt - ich inklusive. Und das macht was mit mir, auch wenn ich in unserem Familiensystem durchaus eine Relevanz habe und alles funktioniert. Aber die Erkenntnis, dass das was ich mache, von der Gesellschaft nicht wirklich gebraucht wird, macht etwas mit mir und vielen anderen glaube ich auch. Man fängt an den Sinn des eigenen Schaffens zu hinterfragen. Selbst wenn ich in einem systemrelevanten Job arbeite - vielleicht mag ich den gar nicht, er ist aber das einzige, was ich gerade noch machen darf und meiner Leidenschaft darf ich nicht mehr nachgehen. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Gewicht bekommt dieser Gedanke:


Ich und mein Können wird überhaupt nicht gebraucht!


Das gilt aktuell für bestimmt 90% aller Berufe - selbst wenn viele im Homeoffice weiterarbeiten, wird doch das wenigste davon wirklich gebraucht. Schon gar nicht, wenn man den Faktor „Finanzen“ aus der Überlegung rausnimmt. Die ganze Sinnlosigkeit der meisten Tätigkeiten, mit denen wir unseren Alltag füllen, wird sichtbar. Das ist schwer zu erfassen und zu ertragen.

Generell war mir schon lange klar, dass Musikproduktion nicht zum Überleben der Menschheit gebraucht wird und das hat mir eher Freiheit geschenkt: Die Freiheit, zu machen was ich möchte - es ist ja nicht wichtig für die anderen: Wem es gefällt, der darf es gerne hören und kaufen und wem nicht, der halt nicht. Aber jetzt wird einem gezeigt, dass man von der Gesellschaft einfach geopfert wird, wenn die Zeiten härter werden. Sachlich natürlich völlig richtig - eine warme Wohnung, essen und trinken gehen einfach vor. Aber die Deutlichkeit, mit der man dass jetzt gezeigt bekommt, erschüttert tief im inneren. Und dann kommt natürlich der Überlebensgedanke ins Spiel - eine Urangst. Was, wenn ich nicht mehr gebraucht werde und mich und meine Familie nicht mehr ernähren kann, das Haus nicht mehr bezahlen kann und so weiter. Die Angst vor dem sozialen Tod wird aktuell bei sehr vielen angetriggert. Ich glaube, dass ist einer der Hauptgründe - wenn nicht der Hauptgrund, warum so viele Menschen aktuell in einem Ungleichgewicht sind.


Ich werde aber doch gebraucht!


Wenn wir einteilen in „systemrelevant“ und „nicht systemrelevant“ - von welchem System sprechen wir da? Vom System der Menschlichkeit, des Miteinander, der Liebe, der Fürsorge? Nein - in diesem System sind wir nämlich ALLE SYSTEMRELEVANT! Wenn wir von „systemrelevant“ sprechen, geht es um die Versorgung der Menschen mit dem Nötigsten. Und wenn dass durch 10% der arbeitenden Bevölkerung gemeistert werden kann (wenn es überhaupt so viele sind), dann müssten die 90% doch viel mehr Zeit haben, um sich um die anderen Systeme zu kümmern: Menschlichkeit, Miteinander, Liebe, Fürsorge und alles, was das Leben wirklich lebenswert macht. Das ist doch mal ein wirklich positives Bild - lasst uns weiter daran arbeiten.


Bleibt gesund und wach (und Systemrelevant)!


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